 |  |
|  |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| (c) Jérome Maison / Bonne Pioche |
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| (c) Jérome Maison / Bonne Pioche |
 |
|
|
 |  |  | |
„Gott weiß, wie anstrengend es ist, bäuchlings über das Eis zu robben!“ Laurent Chalet
„Wir waren überrascht, wie gut es uns bei minus 20 Grad ging.“ Jérôme Maison
Jérôme Maison und Laurent Chalet über ihre Erlebnisse an vorderster Front Jérôme Maison, ein erfahrener Seemann, der sich der Meeresbiologie verschrieben hat und als Spezialist für Hochsee-Expeditionen gilt, und Laurent Chalet, als Kameramann in der Fiktion ebenso zu Hause wie im Dokumentarfilm, verstanden sich auf Anhieb blendend. Das war auch gut so. Denn um sich ein ganzes Jahr lang fern der Zivilisation nicht auf die Nerven zu gehen, brauchte es mehr als nur guten Willen, einen Vertrag zu erfüllen.
Jérôme Maison: Ich hatte gerade beschlossen, nicht mehr so häufig lange Fahrten zu unternehmen, als mir Luc Jacquet die Teilnahme an seinem Projekt vorschlug. Anfangs war lediglich die Rede von einem Tier-Dokumentarfilm. Schließlich entwickelte sich aber die Idee, eine quasi fiktive Geschichte zu erzählen. Darum sprachen wir von den Kaiserpinguinen irgendwann nicht mehr wie von anonymen Vögeln, sondern wie von Filmfiguren mit Gefühlen.
Laurent Chalet: Es war im November 2002, als sich alles sehr schnell entwickelte. Plötzlich galt als oberstes Gebot, dass wir uns nach dem Zeitplan der Pinguine zu richten hatten. Deshalb blieben uns nur zwei Monate Zeit, um alles vorzubereiten ...
Jérôme Maison: ... für ein ganzes Jahr, das wir ohne Unterbrechung in der Antarktis verbringen würden.
Laurent Chalet: Alles ging letztlich so schnell, dass uns die logistischen Vorbereitungen kaum Zeit ließen, uns auch mental auf das Abenteuer einzustellen. Möglicherweise hatte das sogar sein Gutes. Denn je weniger wir darüber nachdenken konnten, desto weniger Fragen stellten wir uns. Wir mussten eine Logistik stemmen, die es uns ermöglichen würde, zwölf Monate lang in extremer Kälte völlig autark zu leben. Wir beschlossen nicht nur, die meisten Dingen in doppelter Ausführung mitzunehmen. Wir mussten auch eine Kamera finden, die robust genug war, um selbst bei 40 Grad minus reibungslos zu funktionieren, und die im Notfall relativ leicht zu reparieren war. Fündig wurden wir bei dem französischen Fabrikanten Aaaton in Grenoble, der uns sehr unterstützt hat. Es folgte ein gründlicher Gesundheitscheck im Institut Français Polaire Paul Emile Victor, das alle französischen Expeditionen in die Antarktis begleitet. Dann konnte es losgehen. Erst am Ziel haben wir entschieden, wie sich unsere Arbeit gestalten würde. Anstatt getrennt und abwechselnd zu drehen, arbeiteten wir stets zusammen. Wir standen morgens um halb sechs auf, bereiteten unsere Ausrüstung vor, füllten vier Kassetten mit Filmmaterial (keine Chance, das auf dem Eis zu machen), zogen uns an und machten uns schließlich auf den Weg, jeder schleppte dabei ungefähr 60 Kilo Ausrüstung. Es gab nur zwei Gründe, die uns vom Drehen abhielten: das Wetter und wenn unser täglicher Filmvorrat unmittelbar am Drehort zur Neige ging.
Jérôme Maison: Es mag seltsam klingen, aber was uns am meisten beeindruckt hat, war unser physisches Standvermögen. Wir waren überrascht, wie gut es uns bei minus 20 Grad ging. Bis es schließlich doch so richtig antarktisch kalt wurde – und wir Verbrennungen und Erfrierungen erlitten.
Laurent Chalet: Tatsächlich lagen die eigentlichen Schwierigkeiten woanders. Unsere Arbeit bestand ja nicht bloß darin, rein biologische Vorgänge einzufangen. Wir mussten Bilder finden und mitbringen, die eine richtige Geschichte erzählen. Über Wochen und Monate mussten wir uns also ständig in Erinnerung rufen, was wir bereits wie gedreht hatten, etwa auf welche Weise ein Pinguin ins Bild kommt und wie er das Bild wieder verlässt. Wir konnten das belichtete Material leider nicht besichtigen, weil die Filme erst nach unserer Rückkehr nach Frankreich entwickelt wurden. So kam dem „Skript“, das Luc erstellt hatte, große Bedeutung zu. Die eigentliche Schwierigkeit für uns war letztlich: mehr, als was „unsere“ Schauspieler uns anboten, konnten wir nicht filmen.
Jérôme Maison: Vor Ort bei den Pinguinen kam es darauf an, sich den Gegebenheiten anzupassen und Dinge vorauszuahnen. Sich anpassen heißt, wir mussten Änderungen im Drehplan, die uns von unseren Stars oder vom Wetter diktiert wurden, einfach akzeptieren. Bei Winden von 150 Stundenkilometern zu drehen und dafür zu sorgen, dass die Kamera nicht wackelt, verlangte Anpassung und zugleich eine rasche Problemlösung. Weil wir wussten, dass nach sechs Stunden, die wir bei 20 Grad minus im Freien verbracht hatten, wir eine Pause benötigten, nicht das technische Material. Unter 200 Filmrollen gab es nur eine, die uns Probleme bereitet hat. Eine der problematischsten Aufnahmen überhaupt war der Augenblick, in dem das Weibchen – umgeben von 7000 Kaiserpinguinen – dem Männchen das Ei weiterreicht. Dabei lassen die Eltern nämlich allergrößte Diskretion walten.
Laurent Chalet: Solche Momente erforderten Anpassung und Ideen. Um die Küken möglichst aus nächster Nähe filmen zu können, bastelten wir beispielsweise eine Art Roller, auf dem wir die Kamera befestigt haben. Natürlich haben wir uns stets größte Mühe gegeben, die Tiere nicht zu stören und zu belästigen. Gott weiß, wie anstrengend es ist, bäuchlings über das Eis zu robben!
Jérôme Maison: Auch die Unterwasseraufnahmen, die von Patrick Marchand stammen, haben sich schwierig gestaltet. Dafür sind die Ergebnisse umso spektakulärer. Denn plötzlich sieht man, wie aus einem Tier, das wie ein Fisch auf dem Trockenen vor sich hin leidet, ein Tier wird, das total in seinem Element aufgeht.
Laurent Chalet: Man muss das Verhalten der Tiere, die man filmen will, schon ein wenig kennen, um ihre Reaktionen vorherzusehen. Außerdem braucht es Beobachtungsgabe und jede Menge Glück. Uns war klar, dass wir von allem etwas brauchen würden, um gute Aufnahmen vom Gänsemarsch der Kaiserpinguin-Kolonne zu bekommen. Dank der Vogelstation der Dumont-d’Urville-Station wussten wir, wo sich die Kaiserpinguine versammeln würden, nur zu welchem Zeitpunkt, das war nicht klar. Wir mussten also täglich auf der Hut sein, denn es handelt sich um ein Ereignis, das nur einmal im Jahr stattfindet. In unserem Fall hatten wir extremes Glück, denn die Kaiserpinguin-Kolonne war 1200 Tiere groß. Normalerweise finden sich ein paar hundert Tiere zusammen, maximal 500.
| |
|