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| (c) Jérome Maison / Bonne Pioche |
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„Wenn du die Natur beherrschen willst, musst du ihr gehorchen.“ Luc Jacquet
Interview mit Regisseur Luc Jacquet
Wie wird man Regisseur eines Films wie „Die Reise der Pinguine“?
Natürlich durch puren Zufall. Alles begann mit einer Zeitungsannonce, in der ungefähr folgendes stand: „Suchen Biologen, der sich vor nichts fürchtet und bereit ist, für 14 Monate ans Ende der Welt zu reisen“. Ich hatte Biologie mit Schwerpunkt tierisches Verhalten studiert, und eigentlich wollte ich Forscher werden. Da ich mich sehr zur Natur hingezogen fühle und Abenteuer unter extremen Bedingungen liebe, machte mich die Anzeige neugierig. Auch damals ging es schon darum, Kaiserpinguine zu filmen. Problematisch war allerdings, dass ich in meinem ganzen Leben noch keine Filmkamera in der Hand gehabt hatte. Also absolvierte ich einen zehntägigen Crashkurs und lernte, eine 35mm-Kamera zu bedienen. Direkt im Anschluss folgte mein erster Aufenthalt auf der Dumont-d’Urville-Station. Ich hatte zwei Aufgaben: Vögel zu beringen und eine präzise Liste der anstehenden Aufnahmen zu erstellen. Ich war 24.
Hat es Sie nicht schnell kuriert, unter solchen Bedingungen zu debütieren?
Nein, ich stamme aus dem Jura und lernte schon mit drei Jahren Ski fahren. Ich hatte also durchaus Erfahrungen, was Kälte angeht. In der Forschung zu arbeiten, hat mich nicht besonders interessiert, denn hier ging es vornehmlich um Theorie, weniger um Praxis. Ein Freund, der gerade von den Crozet-Inseln zurückkam, wo er an einem Dokumentarfilm über Orcas gearbeitet hatte, brachte mich auf die Idee zu meinem ersten Film „Léopard des mers, seigneurs des glaces“ (etwa: Der Seeleopard – Herrscher im Eis). Danach entwickelte alles eine Eigendynamik, und ich reiste wiederholt in die Antarktis. Heute, zwölf Jahre später, treibe ich mich immer noch am 66. Breitengrad herum.
Wie entstand die Idee zu „Die Reise der Pinguine“?
Der Kaiserpinguin ist der größte und schönste Pinguin von allen. Vor vier Jahren fing ich an, mir Gedanken über eine Geschichte zu machen, die von seinem Leben erzählt, und das Projekt ist langsam gereift, über viele Monate hinweg. Schließlich ergab sich ein Kontakt zur Produktionsfirma Bonne Pioche, die auf Anhieb begeistert war und mich uneingeschränkt unterstützte. Als der Startschuss zum Film fiel, war schon August. Da wir spätestens im Januar abreisen mussten, ging alles plötzlich sehr schnell. Im Laufe des Winters hat sich das Projekt verändert: was ursprünglich als TV-Sendung geplant war, wurde ein abendfüllender Kinofilm. Wir sind das Abenteuer mit Leidenschaft, Energie und Entschlossenheit angegangen.
Es gab da also eine Art Drehbuch, das schlicht und ohne Übertreibung von einem Volk der Verdammten erzählt, das ums Überleben kämpft. Ich wusste genau, wo und wann wir filmen mussten. Alles stand lange vor Beginn des eigentlichen Drehs fest: der Schnitt, jede einzelne Szene. Blieb zu hoffen, dass uns die Darsteller entgegenkommen würden. Denn wir wussten zwar, was geschehen würde, wo und mit wem, aber nicht unbedingt „wie“. Man darf nicht vergessen, dass unser Drehort die Antarktis war und Kaiserpinguine wilde Tiere sind.
Warum bezeichnen Sie die Kaiserpinguine als „Volk der Verdammten“?
Weil sie sagenhafte Strapazen auf sich nehmen, um sich fortzupflanzen. Kilometer um Kilometer kämpfen sie sich durch die fürchterlichsten Stürme, verloren in der Weite der Antarktis, weit weg vom Meer, ihrem eigentlichen Lebensraum. Und dann legen sie ein Ei auf dem unsichersten Gelände überhaupt und verbringen den Rest des Winters mit einem ewigen Hin und Her zwischen ihrer Brutkolonie, wo sie ein Martyrium erleben, und dem Meer, das alles für sie bereithält. Der Kaiserpinguin lebt hart an der Grenze zum Tod. Nach ihm kommt nichts mehr. In dieser endlosen Schneewüste ist der Kaiserpinguin der letzte Beweis dafür, dass es auf der Erde Leben gibt. Wobei die Antarktis durchaus an einen fremden Planeten erinnert. Hier befindet man sich zwar noch nicht im Weltraum, aber irgendwie auch nicht mehr auf der Erde. Es ist eine eigene Welt zwischen Wirklichkeit und Irrealem. Alle Bezugspunkte sind verschwunden oder auf den Kopf gestellt, auch die Jahreszeiten stehen auf dem Kopf. Wer es nicht selbst erlebt hat, hat keine Vorstellung davon, wie sich ein Eissturm mit Windgeschwindigkeiten von 150 km/h anfühlt.
Mit dem Film möchte ich den Zuschauer auf eine Reise mitnehmen, so wie Eltern, die ihre Kinder vor dem Schlafengehen mit einem Märchen zum Träumen bringen. Wobei mir mein selbstgestecktes Ziel dadurch erleichtert wurde, dass der Kaiserpinguin über eine hohe Sympathiequote verfügt. Er mag ein Tier sein, aber häufig wirkt er wie ein menschliches Wesen. Und in seinem Leben herrscht wahrhaftig kein Mangel an dramatischen Begebenheiten. Manches Jahr sterben beispielsweise 80% der Küken.
Gab es unerwartete Schwierigkeiten?
Nun, wenn man sich zum Beispiel der Kolonie zu hastig nähert, können hunderte Eier zerstört werden. Wir mussten uns permanent unsere enorme Verantwortung bewusst machen. Was mögliche Angriffe oder aggressives Verhalten betrifft, habe ich so etwas beim Kaiserpinguin noch nicht festgestellt. Vermutlich kann er sich das gar nicht leisten. Es würde ihn zuviel Kraft kosten, und außerdem hat er so schon genug Probleme. Der Kaiserpinguin verhält sich dem Menschen gegenüber sehr eigentümlich. An manchen Tagen lässt er ihn ganz nah an sich herankommen, an anderen Tagen überhaupt nicht. Also liegt es an uns, das richtige Verhalten ihm gegenüber zu lernen. Wer den Kaiserpinguin nicht respektiert, wird auch keine guten Filmaufnahmen machen. Es gibt da dieses Sprichwort, das lautet „Wenn du die Natur beherrschen willst, musst du ihr gehorchen“.
Wie lang dauerten die Dreharbeiten?
Ein Jahr, exakt so lange wie der Zyklus der Kaiserpinguine. Das Ergebnis waren 120 Stunden Filmmaterial. Vor Ort war nichts davon zu besichtigen, denn weder das Zelluloid noch die Kameramänner haben in dieser Zeit die Dreharbeiten verlassen. Ich selbst habe ein Jahr gebraucht, um danach in den Alltag zurückzufinden. Das war ein sehr langer Prozess.
Gefährdet die Erderwärmung die Kaiserpinguine?
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass durch die Erderwärmung das Packeis schrumpft und die Kaiserpinguine deshalb nicht mehr so weit marschieren müssen. Andererseits werden sie auch weniger Nahrung finden. Viele Tierarten ernähren sich von Krill: Seehunde, Wale, Kaiserpinguine, um nur die bekanntesten zu nennen. Durch die Schmelze des Wintereises nimmt auch der Krill ab, der sich im Winter von Algen ernährt, die im Eismeer wachsen. Daran erkennt man, dass jede Klimaänderung unmittelbare Folgen hat.
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