Der Kaiserpinguin – Ein Vorbild in der Tierwelt 

Ein Vorbild an Energieeffizienz  Der Pinguin ist in der Lage, seine Körperwärme selbst zu regulieren. Er ist ein Warmblüter und kann selbst unter extremsten Bedingungen eine konstante Körpertemperatur halten. Dies gelingt ihm mit Hilfe des Öls, das er ausscheidet und mit dem er seine Federn einreibt, damit sie wasserundurchlässig werden (während er das Öl mit Hilfe seines Schnabels auf seinen Federn verteilt, schließt er große Mengen Luft, die als Isolation vor der Kälte dienen, zwischen dem Öl und seinem Körper ein), mit Hilfe seines Körperfetts (das verhindert, dass zuviel Körperwärme abfließt), aber auch mit Hilfe des hohen Fettanteils seiner Nahrung.

Der Pinguin kann seine Körpertemperatur mit Hilfe von zwei verschiedenen Temperaturen in seinem Körper regulieren: Die Temperatur im Inneren des Tiers ist warm, während die Extremitäten beinahe so kalt sind wie die Umgebungstemperatur.

Die Temperatur der Extremitäten wird über ein Wärmeaustauschsystem der Venen und Arterien geregelt. Das vom Herzen kommende Blut heizt das kalte, zurückfließende Blut auf, wodurch das zu den Extremitäten fließende Blut abgekühlt wird. Zusätzlich kann der Blutfluss in Füße und Flügel reduziert werden, wenn es zu kalt wird.

Im Evolutionsprozess des Pinguins haben sich nach und nach weitere anatomische, physiologische und verhaltensbedingte Charakteristiken herausgebildet, die seine Wärmeregulierung sichern.

Pinguine müssen mit den Beschränkungen eines Lebens sowohl im Wasser als auch auf dem Eis zurecht kommen. Während die Meeresumwelt stabil ist, ist die Umwelt auf dem Land saisonalen Klimaveränderungen unterworfen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Leben eines Pinguins sich fast ausschließlich darum dreht, sich warmen oder kalten Bedingungen anzupassen.

Um besser gegen den strengen Winter der Antarktis gewappnet zu sein, haben die Kaiserpinguine ein soziales Verhaltensmuster entwickelt, das ihnen hilft, Energie zu sparen. Bei starkem Wind und großer Kälte stehen sie eng aneinander gepresst in einer großen Gruppe. Die Pinguine im äußersten Rand der Gruppe stehen mit ihren Rücken zum Wind. Dabei verändert jeder Pinguin seine Position, so dass auch die am Rand stehenden für eine Weile Schutz vor dem rauen Klima im Inneren der Gruppe finden, von wo aus sie immer weiter rotierend die Pinguine am Rand ablösen.

Ein Vorbild an Ernsthaftigkeit und Ausdauer  Eine der überraschensten Eigenschaften der Kaiserpinguine ist ihre Fähigkeit, während der Fastenperiode mit ihren Nahrungsreserven hauszuhalten. Während der Fastenperiode, die beim männlichen Tier etwa 115 Tage dauert, kann jeder Vogel bis zu einem Drittel seines Körpergewichts verlieren. Durch die Fastenperiode läuft der gesamte Vorgang von Balz, Vereinigung, Legen des Eis, Brutvorgang, Schlüpfen des einzigen Kükens und seine Aufzucht. Nach der Geburt des Kükens kommt die Mutter, die den Brutvorgang dem Vater alleine überlässt, vollgefressen vom Meer zurück und löst den Vater ab.

Ein Aussergewöhnlicher Brutvorgang  Jedes Pinguinpaar legt nur ein Ei, das es während der kältesten Jahreszeit – dem antarktischen Winter – in eine Hauttasche gehüllt auf den Füßen trägt. Das Ei ist empfindlich und darf keinesfalls mit Eis in Berührung kommen. Es muss bis zum Schlüpfen des Jungen in der Hauttasche bleiben, da es sonst erfrieren, zerbrechen oder von Räubern gefressen werden kann, die ständig auf der Lauer liegen.

Im Durchschnitt schlüpfen nur zwei Drittel der Küken. Aber die Anzahl der verlorenen Eier schwankt sehr stark von Jahr zu Jahr.

Eine einzigartige Sprache  Eine weitere erstaunliche Eigenschaft der Kaiserpinguine ist ihre Fähigkeit, sich mit Hilfe der Stimme zu erkennen. Ein Küken kann seine Eltern bereits nach zwei Zehntel-Sekunden einer Melodie erkennen und es kann ein Elter selbst dann identifizieren, wenn sechs andere Eltern um es herum singen und dabei auch noch bis zu sechs Dezibel lauter sind als das eigene Elter, wie Pierre Jouventin vom Centre d’éducation fonctionnelle et évolutive (CNRS) in Montpellier herausgefunden hat.

Ein Vorbild an Treue  Pinguinpaare bleiben sich während der gesamten Brut- und Aufzuchtzeit treu. Allerdings verbringen sie nicht ein ganzes Leben miteinander. Nur eine Handvoll Paare finden im Jahr darauf wieder zueinander.

Ein Vorbild an Toleranz  Kaiserpinguine besitzen während der Brutzeit kein Territorium. Die überlebenswichtige Gruppenformation, die erfordert, dass die Pinguine eng zusammen stehen, wäre nicht durchsetzbar, wenn die Tiere eine Nest oder ein Territorium gegen andere Vögel verteidigen müssten.